Bericht: Ökumenischer Gottesdienst St. Stephanus am 17.11.2019

Datum und Uhrzeit: 
Sonntag, 17. November 2019 - 10:30
Ort: 
St.Stephanus, Lüneburg

Ökumenischer Gottesdienst St. Stephanus am 17.11.2019, mit Verabschiedung von Christian Kindel, der die Predigt hält.

 

Einige der gesungenen Lieder:

Lied
Schenk uns Zeit,

Zeit aus deiner Ewigkeit!
1. Zeit zum Nehmen, Zeit zum Geben, Zeit zum Miteinanderleben.
2. Zeit zum Trinken, Zeit zum Essen, Zeit, um keinen zu vergessen.
3. Zeit zum Beten, Zeit zum Klagen, Zeit, dir, Gott, auch Dank zu sagen.

 

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Zur Verabschiedung von Pastoralreferent Christian Kindel in den Ruhestand
Nach 38 Jahren als Pastoralreferent mit Dekanatsaufgaben im Dienst des Bistums Hildesheim wurde Christian Kindel am 17.11.2019 in den Ruhestand verabschiedet. Die Stationen seines beruflichen Werdegangs waren: Harburg (damals noch Bistum Hildesheim - heute Erzbistum Hamburg) - Wolfsburg/Gifhorn - Verden - Lüneburg. - Die Kirche war im ökumenischen Gottesdienst in St. Stephanus mehr als gefüllt - und fast alle blieben auch noch zum anschließenden Empfang. Die meisten Gäste bei der Verabschiedung im ökumenischen Zentrum St. Stephanus in Lüneburg sind Menschen, die in und um Lüneburg wohnen und Christian Kindel in den letzten elf Jahren kennengelernt haben, der Zeit, die er hier gearbeitet hat – im Dekanat Lüneburg, in der Lüneburger Ökumene, in St. Marien, in den dazugehörigen Kirchorten und zuletzt noch zwei Jahre im ökumenischen Zentrum St. Stephanus. In Lüneburg gehörte er von Anfang an als Delegierter der kath. Pfarrgemeinde der ACKL an und arbeitete bis zum Abschied auch im Vorstand mit. Er initiierte die Passionsandachten an besonderen Orten in Lüneburg und arbeitete bei vielen ökumenischen Projekten mit. Zitat Christian Kindel:
"Ich danke allen evangelischen und ökumenischen Kolleginnen und Kollegen aus den anderen Konfessionen, besonders im Vorstand der ACK und zuletzt im Vorbereitungskreis der WandelNacht, dass wir so geschwisterlich und freundlich im Miteinander und in großer Selbstverständlichkeit gemeinsam ökumenische Projekte entwickelt und durchgeführt haben – ein besonderes Highlight war am 30.10.2019 die WandelNacht im Kloster Lüne. - Ich danke allen evangelischen und katholischen ehren- und hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern hier in St. Stephanus und darüber hinaus – die Zusammenarbeit und freundliche Partnerschaftlichkeit war mir eine Freude, und wir haben fast alle Schwierigkeiten und Probleme doch noch irgendwie gemeinsam lösen können. So selbstverständlich wird hier ein christlich ökumenisches Haus von einer kleiner werdenden Schar von Frauen und Männern gemeinsam geleitet, gefördert, betrieben – und das von hoch motivierten und engagierten Menschen, die viel Herzblut investieren. Hut ab! Viele fragen mich, was ich denn nun machen werde als Ruheständler?
Meine Frau unterstützen, Freundschaften pflegen, Vorträge über biblische Bilder von Chagall halten, oder noch mal einen Glaubenskurs mit Martin Blankenburg und Kuno Kohn zusammen planen und durchführen. – Was ich nicht will ist, meinem Nachfolger Johannes Honert im Wege stehen.
Ich wünsche Euch und Ihnen allen, dass ihr dem Evangelium und Eurer Überzeugung treu bleibt und einander mit Wertschätzung, Einfühlsamkeit und Interesse begegnet und so dazu beitragt, dass diese Welt besser wird. Jesus sprach dann vom Reich Gottes."

Die Predigt, die Christian Kindel im Gottesdienst direkt vor seiner Entpflichtung hielt, kann hier als PDF-Datei heruntergeladen werden.

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Abschiedspredigt im Rahmen der Friedensdekade von Pastoralreferent Christian Kindel am Sonntag, dem 17.11.2019 im ökumenischen Gottesdienst in St.Stephanus:

Liebe hier versammelte Gemeinde und liebe Gäste!

Eine Predigt zur Friedensthematik ist zu halten in dieser Friedensdekade, in der alle Christen aufgerufen sind, über den Frieden nachzudenken, für den Frieden in der Welt zu beten und etwas dafür zu tun.

Mein Verhältnis zum Thema Krieg und Frieden ist vor allem von einer ganz persönlichen Erfahrung geprägt, die meine Geschwister mit mir teilen:
Unser Vater ist im 2.Weltkrieg durch Granatsplitter so schwer verwundet worden, dass er u.a. sein Augenlicht verlor. Er überlebte den Krieg als Kriegsblinder, sein Sehvermögen hatte er verloren, Kameraden hatte er verloren, alles war anders als vorher. Er gab sich nicht auf und heiratete 10 Jahre später eine Frau, die er nie gesehen hatte und bekam drei Kinder, die heute alle hier sind. Unser Vater hat uns nie gesehen, war vom Krieg gezeichnet, aber er war ein guter Vater, natürlich anders als andere Väter, still, zuhörend, er nahm seine Mitmenschen über das Gehör wahr. Er war für mich ein Vorbild und hat mich geprägt in meinem Verhalten, ein Hörender zu werden, zurückhaltend, introvertiert. Ja, der Krieg hat indirekt auch mich geprägt, den ältesten Sohn eines blinden Vaters, der trotz allem einen festen christlichen Glauben hatte.
Mein Verhältnis zum Militär, zum Kriegsdienst war und ist durch diese persönliche Erfahrung geprägt, was der Krieg aus einem Menschen machen kann.

Oft habe ich darüber nachgedacht, wie Menschen friedlich miteinander leben können.
Von drei Erfahrungen möchte ich berichten, die vielleicht eine nachvollziehbare Antwort geben:
Diese Erfahrungen haben zu tun mit drei für das Leben wichtigen Verben, alle mit der Silbe „Ver-“ beginnend. Sie lauten: vertrauen, verstehen, vergeben bzw. versöhnen.

Vielleicht kann man dieser Predigt besser folgen, wenn man sich diese Worte einprägt. Bitte sprecht mir alle zusammen nach: vertrauen, verstehen, vergeben bzw. versöhnen.

1. vertrauen
Ich möchte von meiner Erfahrung in Taizé erzählen, die ich mit vielen die dort waren teile: Dort in dem Dorf Taizé in Burgund leben junge Menschen für eine Woche in einfachen Unterkünften. Alle leben unter den gleichen Bedingungen, lernen sich kennen, da sie miteinander arbeiten, sprechen, singen und Gottesdienst feiern. Friede ist in Taizé greifbar, man ist offen für alles, offen für andere Menschen, zeigt Interesse, aber kommt auch sich selbst näher in einer Atmosphäre, die Menschen ergreift, verändert und prägt. Äußerlich vielleicht nicht mehr als ein Event – aber in Wirklichkeit ist es eine Schule des Evangeliums, die jeder und jedem in Freiheit den Raum zum Wachstum schenkt. Deshalb kam mir schnell der Gedanke, dass diese Form von Kirche und Gemeinschaft, die junge Leute anspricht, dass Taizé eben auch eine Schule des Evangeliums für Firmbewerber ist. Die friedliche Atmosphäre in Taizé wird auch im überkonfessionellen Miteinander gelebt, das die Brüder, die dort in der von Frere Roger gegründeten überkonfessionellen Gemeinschaft miteinander leben, vorleben. Es gibt dort den Glauben an Jesus Christus. Es gibt dort den Einsatz für das Evangelium, und wie es im Alltag gelebt werden kann – ganz ohne konfessionelle Schranken oder gar Streitigkeiten. Der Friedensgruß, den wir im Gottesdienst einander zusprechen, wird dort gelebt. Schon 1974 erhielt Roger Schutz den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und noch andere Friedenspreise.
Friede zwischen den Konfessionen wird dort in Taizé gelebt und vorgelebt. Auch Jesus hat das vorgelebt: Aus einem grenzenlosen Vertrauen heraus hat er gelebt, einem Vertrauen zu Gott, der unser aller Vater ist, wie Jesus im Vaterunser betont. Friede braucht diese geschwisterliche Gemeinschaft.

Vom Vertrauen darauf, dass man in geschwisterlicher Gemeinschaft einander beschenken kann, ohne etwas zu verlieren, erzählt eine Geschichte, die mir besonders lieb geworden ist. Die Geschichte von den einst auf Erden lebenden kleinen Wippidulern, die alle einen kleinen Sack mit Pelzchen, also mit Schmusern mit sich tragen - und sich diese Schmuser gegenseitig schenken, wenn sie einander begegnen. Dadurch sind alle froh und glücklich. Denn wer einen Schmuser verschenkt, erhält auch gleich wieder einen Schmuser vom Beschenkten. Erst als jemand ihnen einredet, sie sollten sparsam beim Verschenken sein, weil ihr Beutel sonst bald leer sein würde, da beschenken sie sich nur noch selten gegenseitig, und die Freude und der Friede verschwinden aus ihrer Dorfgemeinschaft.
Der Friede kann zurückkehren, wenn wir uns mit dem beschenken, was man nicht kaufen kann und was uns auch nicht ausgehen wird: Ein freundlicher Gruß, ein aufbauendes Wort, eine aufrichtende unterstützende helfende Hand, eine liebevolle oder zärtliche Berührung zum Beispiel.

2. verstehen
Eine Erfahrung, die ich auch als Religionslehrer in der Schule gemacht habe und die andere Lehrer mit mir teilen: Jeder junge oder auch ältere Mensch möchte irgendwo dazugehören, auch zu einer Gruppe oder Gemeinschaft.
Begegnen wir einander auf Augenhöhe, ist das leichter, einen Zugang zu finden in die Gemeinschaft. Friedfertig. Respektvoll. Anerkennend. Gerade junge Leute möchten gelobt werden, um wachsen zu können - aber nicht nur junge Menschen... Voraussetzung ist, dass der zu lobende etwas machen konnte, einen Beitrag leisten konnte, wofür er gelobt werden kann. Und wer einen Beitrag geleistet hat, verdient ein Lob und erwartet sicher auch ein Lob: Selig bist du und sehr zu loben, so hörten wir es eben in den Seligpreisungen. Ich glaube, das ist auch ein Friedensdienst: Andere Menschen zu loben! Überlegen wir mal, wann habe ich jemanden gelobt? War das schon länger her? Dann tue ich es zu selten. Loben und danken gehören zusammen.

Was aber, wenn wir jemanden nicht loben können, weil er einen ganz anderen Standpunkt vertritt? Um den Frieden zu fördern müssen wir miteinander reden, wir müssen versuchen, einander zu verstehen, und das betrifft uns alle in jeder Situation!!
Verstehen: Damit fängt alles an, eine Mutter versucht ihren Säugling zu verstehen, auf seine Bedürfnisse einzugehen, ihm Geborgenheit zu vermitteln. Jesus wollte die Menschen verstehen, auch wenn sie ihm nicht alles gesagt haben kannte er sie besser als sie sich selbst. Den anderen verstehen, die Tochter, den Partner, die eigene Mutter, den Chef, die Mitarbeiterin. Sich verstanden fühlen, das tut gut, das verbindet und ist so wichtig für das Zusammenleben und den Frieden.
Versucht es, versucht einander zu verstehen! Die Bibel ist voll von solchen Geschichten, die verdeutlichen, wie wichtig es ist, einander zu verstehen.
Das ist es, worauf es im Leben vor allem ankommt: Einander verstehen zu wollen! Es zu versuchen, auch wenn es nicht gleich gelingt, aber auch dann dran zu bleiben, und dann mit etwas Hartnäckigkeit kommt es vielleicht doch zu einer gemeinsamen Basis, einem gemeinsamen Nenner, einem Stück Verstehen. Das ist der Anfang von Frieden. Einander zu verstehen versuchen. „Ich mag dich, auch wenn wir in diesem Punkt unterschiedlicher Meinung sind.“ Die andere Meinung des anderen aushalten, ihn trotz der anderen Haltung annehmen und mögen oder zumindest akzeptieren, das scheint mir für den Frieden im Miteinander wichtig zu sein.
Schwierig wird es, wenn ich die Meinung des anderen gar nicht gutheißen kann, wenn da ein Konflikt entsteht. Dann müssen wir uns diesem Konflikt stellen, ihn beim Namen nennen, und den Versuch machen, den anderen doch noch irgendwie zu verstehen, aus der Haltung heraus, du bist mir wichtig.

3. vergeben oder versöhnen
Ich freue mich, dass wir, Schwestern und Brüder, miteinander auf dem Weg sind und dabei erfahren dürfen, dass Gott uns begleitet und immer schon da ist. Als Theologiestudent hatte ich manchmal Gesprächstermine mit Pater Gutermuth, einem bescheidenen und stets freundlich-zugewandten Jesuiten. Mit ihm konnte ich über fast alles sprechen, meist über meinen Glaubensweg. Am Ende fast jeden Gespräches sah er mich mit seinen dunklen Augen liebevoll an und fragte: Haben Sie es gespürt? Der Herr war bei uns in unserem Gespräch! Ja, der Pater war immer davon erfüllt und überzeugt, dass Gott uns nahe ist, bei uns ist, uns zuhört und auch mit uns spricht. Ich teile diese Überzeugung, habe es aber viel zu selten gesagt, so wie es Pater Gutermuth immer wieder tat. Ich glaube, das ist wichtig, dass wir uns der Gegenwart Gottes immer wieder bewusst werden. Gott ist da! Er begegnet uns im Mitmenschen, nicht immer, aber immer öfter!
Pater Gutermuth hatte es so ausgedrückt:  Herr Kindel, haben Sie es auch gespürt? Der Herr ist da bei uns. Frieden, Verständnis, Offenheit, Freundlichkeit, Einfühlsamkeit, ein liebevolles Ansehen, das habe ich bei ihm erlebt. Das brauchen wir alle und davon leben wir: Ein liebevolles Ansehen, du bist ein Kind Gottes, von Gott geliebt, ein wertvoller Mensch, ein Schatz, ein begnadetes Talent. Danach sehne ich mich, dass mir das jemand sagt - ich kann es nicht oft genug hören, um es glauben zu können. Und ich sage es euch: Du bist von Gott geliebt, du bist die Herrlichkeit Gottes, glaube daran und lebe so. Die Welt wird friedlicher, je mehr dies von sich und den anderen glauben - wir alle sind Kinder Gottes, von Gott geliebt, Ebenbilder Gottes, die Herrlichkeit Gottes.
Warum ist das so wichtig, die Bibel ist ja voll von diesen Aussagen? Erst wer sich selbst lieben kann, kann auch andere lieben: "Liebe deinen Nächsten - wie dich selbst!" Dieser zweite Teil ist wichtig und fällt Vielen schwer. Sich selbst annehmen können trotz aller Schuld, das sollen wir, und Gott macht es uns vor: Du bist mein geliebter Sohn, meine geliebte Tochter, trotz aller Schuld. Glaube daran, glaube an Dich, glaube an das Gute in Dir und gib ihm eine Chance. Das ist Botschaft vom Heil, der Heiland möchte, dass die Lahmen an sich glauben und gehen, er möchte, dass die Blinden lernen, alles mit liebevollen Augen zu sehen und anderen ein Ansehen geben. Wow! Ein Ansehen, das sind wir einander schuldig. Du bist die Herrlichkeit Gottes. Wenn wir so einander begegnen, du bist die Herrlichkeit Gottes, sie ist in Dir verborgen, ist aber da, dann können wir eigentlich nur in Frieden leben.

Dazu passt, und das sage ich ganz ehrlich aus dem Herzen heraus: Danke, dass es Euch gibt, danke, dass wir uns begegnet sind, dass ich euch begegnen durfte, danke, dass wir gemeinsam etwas unternommen haben. Schön dass ihr da seid, danke!

Diese Erfahrung habe ich in Glaubensgesprächen mit einzelnen oder in der Gruppe erlebt und entdeckt – zuletzt auch in dem Kurs „Ein Gott der mir zu Herzen geht“ mit Kuno Kohn und Martin Blankenburg: Es geht darum, in uns selbst und auch zwischen uns die Wirklichkeit Gottes zu entdecken. Das ist das Herz oder die Mitte des Gemeinde seins oder Kirche seins: Gott ist immer wieder in unserem Leben spürbar da, und wenn wir das einander mitteilen, dann lernen wir, einander mit anderen Augen zu sehen, Gott ist schon da, er möchte mich zu mir selbst finden lassen, zu dem, als der ich gedacht bin, als Mensch ein Ebenbild Gottes, ihm ähnlich, so dass sein Friede mich ergreift und ich im Mitmenschen meinen Bruder, ein Geschöpf Gottes sehe, dem ich mit Respekt und sogar Ehrfurcht begegnen darf! Das ist ein wichtiger Schritt zum Frieden – meine Sicht meiner Mitmenschen. Ich darf niemandem das Menschsein absprechen – ich darf und soll meinen Mitmenschen als Bruder sehen, als Kind Gottes, geliebt von Gott, der ihm verzeiht und immer wieder eine Chance gibt, so wie uns das Gleichnis vom verlorenen Sohn und dem barmherzigen Vater ein Vorbild geben will. Dieser Gott liebt mich, jede und jeden von uns, trotz aller Schuld. Deshalb möchte er, dass wir niemals aufgeben, ein guter und friedlicher Mensch zu werden.

In der Bibel ist oft von Sündern die Rede, denen Gott trotzdem eine Chance gibt und auf sie baut: Jakob, Mose, Petrus – um nur drei zu nennen.
Jakob, der seinen Bruder Esau und seinen sterbenden Vater Isaak betrogen hat, um das Erbrecht zu erlangen; Mose, der als Ziehsohn der Tochter des Pharao einen Ägypter erschlug und in die Wüste floh; Petrus, der Jesus dreimal verleugnete. Drei prominente biblische Gestalten, die Gott nicht fallen lässt, sondern auf sie baut: Die zwölf Söhne Jakobs bilden das Zwölfstämme-Volk Israel mit Jakob als Stammvater. Mose soll und wird das Volk in die Freiheit führen und ihm die Weisungen Gottes (10 Gebote) ans Herz legen. Petrus soll zum Sprecher der Jünger werden nach Tod und Auferstehung Jesu.

Gott handelt auch in und durch Menschen, die versagt haben. Deshalb sollten wir kein vorschnelles Urteil fällen, vorurteilsfrei anderen Menschen respektvoll begegnen und sie als Mensch und Bruder willkommen heißen. Ich weiß, dass mir das nicht immer gelingt, aber das ist das Ziel, das zum Frieden führt zwischen mir und meinem Mitmenschen.

Ich komme nochmal zurück auf die erstgenannte Erfahrung in Taizé: Dort wird jeden Sonntag ein kleines Osterfest gefeiert mit einem Mahl der Versöhnung, der Eucharistie, und gereicht werden Brot und Wein. Verstehen wir Christen uns als Tischgemeinschaft, als Mahlgemeinschaft, als Zugehörige zum himmlischen Hochzeitsmahl, zu dem Christus einlädt. Und alle sollen dazugehören. Sieger Köder hat ein Bild dazu gemalt (das darf man gerne mitnehmen), auf dem deutlich wird, dass Menschen am Tisch sitzen, die am Rande der Gesellschaft stehen, in der Wertschätzung eher die unteren Plätze einnehmen – aber die Letzten werden die Ersten sein, sie sind besonders wichtig, unsere Brüder und Schwestern in dieser so bunten Gesellschaft.
Zusammen an einem Tisch, Mahlgemeinschaft verbindet, ist wichtig. Gemeinsam essen und trinken, Mahlgemeinschaft haben und leben, das wollen wir auch hier in St. Stephanus – heute, und so oft wie möglich, denn das gemeinsame Mahl ist auch ein Zeichen für die Versöhnung zwischen Gott und Mensch und der Menschen untereinander. Amen.

(Aus Zeitgründen wurde die Predigt beim mündlichen Vortrag um den letzten Teil - ab Jakob, Mose, Petrus - gekürzt. Hier ist nun der ganze Predigttext zu lesen.)

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gemeinsames LIED: Gib Frieden, Herr, gib Frieden,
 die Welt nimmt schlimmen Lauf.
 Recht wird durch Macht entschieden,
 wer lügt, liegt obenauf.
 Das Unrecht geht im Schwange,
 wer stark ist, der gewinnt.
 Wir rufen: Herr, wie lange? 
Hilf uns, die friedlos sind.

Gib Frieden, Herr, wir bitten!
 Die Erde wartet sehr.
 Es wird so viel gelitten, 
die Furcht wächst mehr und mehr.
 Die Horizonte grollen,
 der Glaube spinnt sich ein.
Hilf, wenn wir weichen wollen,
 und lass uns nicht allein.

Gib Frieden, Herr, wir bitten!
 Du selbst bist, was uns fehlt. 
Du hast für uns gelitten,
hast unsern Streit erwählt,
 damit wir leben könnten, 
in Ängsten und doch frei,
 und jedem Freude gönnten,
wie feind er uns auch sei.

Gib Frieden, Herr, gib Frieden:
Denn trotzig und verzagt
hat sich das Herz geschieden
von dem, was Liebe sagt!
Gib Mut zum Händereichen,
zur Rede, die nicht lügt,
und mach aus uns ein Zeichen
dafür, dass Friede siegt.
Evang. Gesangbuch, Nr. 430, Text: Jürgen Henkys

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ökumenischer Gottesdienst in St. Stephanus mit der Verabschiedung von Christian Kindel.Gib Frieden Herr, gib Frieden, die Welt nimmt schlimmen Lauf ...Wo Menschen sich vergessen, die Welt verlassen und neu beginnen ...Da wohnt ein Sehnen tief in uns ...Pastoralreferend bei der PredigtChristian Kindel empfängt den Segen.Abschiedsworte von Pastor Stolze ev.luth. St. Stephanusgemeinde.Abschiedsworte von Pfarrer Menges St. Stephanus (kath.)

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